Bei der Baufinanzierung geht es um große Summen, die mitunter über Jahrzehnte getilgt werden. Daher machen sich bereits kleine Unterschiede beim Sollzins deutlich bemerkbar. Es ist jedoch ratsam, nicht ausschließlich auf diese Kennziffer zu achten.

Es gibt zahlreiche Finanzierungsvermittler, die online einen bequemen Angebotsvergleich ermöglichen. Alle werben beim Thema Baufinanzierung natürlich damit, den günstigsten Sollzins für ein Immobiliendarlehen zu ermitteln. Und keine Frage: Wer beispielsweise einen Baukredit in Höhe von 350.000 Euro benötigt, spart bei Zinsbindung von zehn Jahren während dieser Zeit fast 6.300 Euro, wenn er über ein solches Portal anstelle des Sollzinssatzes seiner Hausbank in Höhe von 0,8 Prozent ein Angebot mit 0,6 Prozent Sollzins wählt (Stand April 2020).

Doch wer sich bei einer Baufinanzierung allein am Sollzins orientiert, muss mit seiner Wahl nicht automatisch richtig liegen. So können Kosten an anderer Stelle die Baufinanzierung zum einen doch teurer machen als zunächst gedacht. Und zum anderen muss die Baufinanzierung auch zu den Bedürfnissen des Kreditnehmers passen. Daher ist es empfehlenswert, beim Angebotsvergleich auf folgende Punkte zu achten:

 

  • Zinsbindung

    In der Regel ist der Sollzins für Hauskredite mit einer Zinsbindung von fünf Jahren niedriger als für zehn Jahre oder länger. Doch wer hier allein auf den Sollzins achtet, zahlt möglicherweise in einigen Jahren drauf, wenn die Anschlussfinanzierung ansteht. Dazu kann es kommen, wenn die Zinsen zwischenzeitlich gestiegen sind. Es ist daher sinnvoll, einen kleinen Zinsaufschlag in Kauf zu nehmen und eine längere Zinsbindung zu wählen. So sind selbst Zinsbindungen von 15 Jahren und mehr teils zum Sollzins von weniger als einem Prozent möglich – solche Traumkonditionen sollten Bauherren und Käufer nutzen und langfristig Planungssicherheit schaffen. Der Vorteil: Sie können dennoch bereits nach zehn Jahren umsatteln und kündigen, falls die Zinsen dann niedriger sein sollten.

 

  • Sondertilgungsmöglichkeiten

    Es ist sinnvoll, auf den Umfang von Sondertilgungsmöglichkeiten zu achten – auch, wenn dies mitunter die Finanzierung minimal verteuert. Stehen zwischenzeitlich größere Beträge zur Verfügung, lässt sich die Tilgung des Baukredits erheblich beschleunigen, was die Zinskosten senkt. Üblich sind fünf Prozent der Darlehenssumme pro Jahr, manche Banken räumen großzügigere Sondertilgungen ein, andere ermöglichen hingegen nur geringe Sonderzahlungen.

  • Tilgungssatzwechsel

    Ändern sich während der Zinsbindung die Einkommensverhältnisse, kann eine Anpassung des Tilgungssatzes der Baufinanzierung sinnvoll sein. Viele Banken bieten zwei kostenlose Tilgungssatzwechsel an, ansonsten fallen Gebühren von um die 250 Euro für Tilgungsanpassungen an. Es lohnt also, auf diesen Aspekt zu achten.

 

  • Bereitstellungszinsen

    Für Bauherren und Sanierer ist ein Blick auf die Konditionen hinsichtlich der Bereitstellungszinsen besonders wichtig. Diese stellen Banken in Rechnung, wenn sich die Auszahlung des Immobiliendarlehens über einen bestimmten Zeitraum hinaus verzögert oder die Summe in mehreren Etappen abgerufen wird. Üblich sind drei bis sechs Monate, manche Kreditinstitute verlangen bereits nach zwei Monaten Bereitstellungsgebühren, andere erst nach einem Jahr. In der Regel berechnen sie Bereitstellungszinsen in Höhe von 0,25 Prozent pro Monat, was einem jährlichen Zinssatz von drei Prozent entspricht.

 

  • Effektivzinssatz

    Bei Angebotsvergleich sollte jeweils der Effektivzinssatz – also der Zinssatz einschließlich Gebühren wie zum Beispiel Wertermittlungskosten – mit dem Effektivzins der anderen Angebote verglichen werden.

 

Tipp: Insbesondere, wenn Sie keine Baufinanzierung „von der Stange“ benötigen – etwa weil Sie selbständig sind oder wenig Eigenkapital mitbringen, sollten Sie eine persönliche Beratung durch einen Finanzierungsexperten in Erwägung ziehen. Er hilft Ihnen dabei, unter Berücksichtigung der für Sie wichtigen Aspekte die besten Konditionen für eine maßgeschneiderte Baufinanzierung zu finden.